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TU Berlin

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XXII. Jahrestagung der DVCS

Kontinuität und Umbruch in Chinas Geschichte und Gegenwart

Annette Kieser (Westfälische-Wilhelms-Universität Münster):

Tradition und Wandel im Grabkult der Han. Die Gräber von Linyi 臨沂, Provinz Shandong (Abstract)

Bereits im Jahr 1972 wurden in einem Vorort im Süden der Stadt Linyi, Provinz Shandong zwei Gräber der Westlichen Han-Zeit entdeckt. Weniger die Grabkammern selbst und ihre eher moderat zu nennenden Beigaben, als vielmehr der Fund von nahezu 5000 beschriebene Bambusstreifen erregte große Aufmerksamkeit in der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Neben anderen wurden Texte wie das Sunzi bingfa 孫子兵法 und das Sun Bin bingfa 孫臏兵法, das als verloren galt, dort gefunden.

Nach diesen aufsehenerregenden ersten Funden war Linyi jedoch nie wieder in gleichem Maße im Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Es ist daher kaum bekannt, dass die beiden Gräber von Linyi Teil eines großen Gräberfeldes waren. Immerhin weitere 40 Gräber, die ebenfalls in die Westliche Han-Zeit datieren, wurden davon bislang freigelegt.

Auf den ersten Blick sind auch diese Gräber nicht besonders spektakulär – und doch weisen ihre Architektur mit Holzeinbauten ebenso wie der Stil ihrer Beigaben – zumeist Keramikgefäße, -figuren und Lackgefäße – überaus interessanten Einflüsse auf – nämlich die der Kultur des vor über 100 Jahren ausgelöschten Staates Chu.

Warum die Traditionen des Staates Chu im östlichen Shandong, welches allenfalls der Peripherie des Staates Chu zugerechnet werden kann, noch lange nach dessen Niedergang dort überlebten, und wie lange sie dort andauerten bis sie endgültig verschwanden, wird Thema dieses Vortrages sein.