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TU Berlin

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XXII. Jahrestagung der DVCS

Kontinuität und Umbruch in Chinas Geschichte und Gegenwart

Felix Wemheuer (Universität Wien):

1962: Ein wichtiger Wendepunkt in der Beziehung zwischen Staat und Bauern (Abstract)

Die große Hungernot (1958-1961) veränderte die Beziehungen zwischen Bauern und der KPCh grundlegend. Während die Versorgung der wichtigen Städte von der Regierung sicher gestellt wurde, fand das Massensterben in erster Linie auf den Dörfern statt. Ralph Thaxton argumentiert, dass sich die Partei bis heute von dieser Legimitationskrise auf dem Land nicht erholt hat. Der Vortrag versucht zu beantworten, wie und warum die Führung um Mao Zedong diese schwere Krise überstehen konnte. Das Entwicklungsmodell durch die Ausbeutung und hohe Besteuerung der Bauern Industrialisierung und Urbanisierung zu forcieren, könnte ab 1961 nicht mehr aufrechterhalten werden. Die wichtigen Städte wurden nun durch Importe ernährt und 20 Millionen Menschen allein 1962/63 auf die Dörfer zurückgeschickt. Eine Lehre der Hungersnot war durch eine strikte Umsetzung des Haushaltsregister-Systems (hukou) die Urbanisierung für 20 Jahre zu stoppen. Die Regierung versuchte, die Zahl der Bezugsberechtigten von rationierten Lebensmitteln streng zu begrenzen, um eine höhere Belastung der Bauern zu vermeiden. Die Einführung der (urbanen) Geburtenplanung 1963 sowie die Landverschickung der gebildeten Jugendlichen (zhiqing) während der „Kulturrevolution“ können als weitere Zugeständnisse an die Bauern interpretiert werden. Der Vortrag zeigt, wie es der KPCh nach 1962 gelang eine weitere landesweite Hungersnot zu verhindern. Außerdem wird die Bedeutung von Widerstand der ländlichen Bevölkerung evaluiert. Es wird argumentiert, dass nicht nur 1978, sondern auch das Jahr 1962 einen wichtigen Wendepunkt in der Beziehung zwischen Staat und Bauern darstellt.