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TU Berlin

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XXII. Jahrestagung der DVCS

Kontinuität und Umbruch in Chinas Geschichte und Gegenwart

Kerstin Storm (Westfälische-Wilhelms-Universität Münster):

„Auf dass es zeitlebens ohne Furunkeln und Flechte sei“ – Bemerkungen zum Brauch des Kindsbades in der Tang-Dynastie (Abstract)

Es gibt kaum einen Begriff im China des 20. Jahrhunderts, der die Gemüter der Menschen so erregt, wie der Begriff Revolution, in deren Zeichen Chinas große gesellschaftliche und kulturelle Umwälzungen standen. Die Revolution wurde begeistert bejubelt oder gefürchtet und bitter bekämpft. Dabei bleibt das, was man mit dem Begriff zu kennzeichnen pflegt, trotz unermüdlicher Kontroversen alles anders als klar. Wenn man konkret werden soll, was die Revolution eigentlich ist oder will, sind sowohl ihre Befürworter als auch ihre Gegner oft ratlos. Bezeichnend für diese Verlegenheit ist das Wort des revolutionären Veteranen Liu Shaoqi, der in seinen letzten Jahren selbst von der durch ihn selbst vorangetriebenen Revolution überrollt wurde: „Der alte Revolutionär ist mit neuen Problemen konfrontiert“.

Die Verlegenheit hinsichtlich der Revolution ist unter verschiedenen Aspekten zu konstatieren. Zunächst ist sie begriffsgeschichtlich zu nennen. Die Andockung des seit dem Buch der Wandlungen etablierten Begriffs geming an das westliche Wort Revolution ist verständlich, bringt aber nicht wenig Probleme mit sich. Des Weiteren begann in der sozio-politischen Praxis das Profil der Revolution nicht selten sich zu verwischen: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam erneut vor, dass die sich bekämpfenden politischen Kräfte sie je für sich vereinnahmen wollten. Erst recht wird man verlegen, wenn man schließlich heute, viele Jahrzehnte nach dem Sieg der kommunistischen Bewegung, versucht, eine Bilanz aus der einst gefeierten Revolution zu ziehen…