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TU Berlin

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XXII. Jahrestagung der DVCS

Kontinuität und Umbruch in Chinas Geschichte und Gegenwart

Eva Sternfeld (TU Berlin):

Gelingt China die Energiewende? Herausforderungen für Chinas Energiesektor und den globalen Klimaschutz (Abstract)

Die Sorge um Energiesicherheit, der durch die Emission von Treibhausgasen beschleunigte Klimawandel und nicht zuletzt die Atomkatastrophe von Fukushima haben weltweit zu einer verstärkten politischen und wissenschaftlichen Wahrnehmung der Energiefrage geführt. Ein wichtiger Akteur der globalen Energie- und Klimapolitik ist die Volksrepublik China, die sich in der vergangenen Dekade im Zuge eines raschen wirtschaftlichen Aufschwungs auch an die Spitze der Länder mit dem größten Energieverbrauch katapultiert hat. Die erfolgreiche Umsetzung einer weltweiten Energiewende von der konventionellen Nutzung fossiler Energieträger zu effizienteren, umwelt- und klimaschonenderen Alternativen wird daher maßgeblich von der Entwicklung des Energiesektors in China abhängen.

Das chinesische Wirtschaftswunder wird derzeit vorrangig mit Hilfe von Kohle generiert. Von 2000 bis 2010 verdreifachte sich der Verbrauch von Kohle. China hat damit nicht nur die USA als weltweit größten Kohlekonsumenten abgelöst sondern nutzt mittlerweile fast die Hälfte der globalen Kohleproduktion. Die einseitige Energiestruktur stellt das Land vor erhebliche Herausforderungen im Bereich Umweltschutz, Volksgesundheit und Verkehrsinfrastruktur. Zugleich ist China mit dem steigenden Bedarf an fossilen Brennstoffen in den vergangenen Jahren auch zu dem weltweitgrößten Verursacher des Treibhausgases Kohlendioxid aufgestiegen und damit in den Fokus der internationalen Klimaverhandlungen gerückt.

Die Gewährleistung der Energiesicherheit und zugleich die Suche nach Alternativen zur Kohle prägen die Energiestrategie der chinesischen Regierung. Die Verbesserung der Energieeffizienz, die im gerade verabschiedeten 12. Fünfjahresplan (2011-2015) auch nun auch in ihrer Bedeutung für die Einsparung von Kohlendioxid-Emissionen interpretiert wird, sowie die Investition in „saubere Kohle-Technologien“ kommen dabei Schlüsselfunktionen zu. Zugleich setzt China auf die Förderung von erneuerbaren Energien und Kernkraft. Innerhalb von nur wenigen Jahren hat das Land in den Bereichen Wasser, Wind, Solar nicht nur was die installierten Kapazitäten sondern auch was das Niveau der technologischen Entwicklung betrifft zu den im Bereich erneuerbare Energien führenden Nationen aufgeschlossen. Und China ist eines der wenigen Länder der Welt, in dem noch ein nennenswerter Ausbau der Kernenergie stattfindet. Auch wenn die Katastrophe von Fukushima der allzu großen Euphorie, Atomkraft als „saubere“ Alternative zur Kohle zu propagieren, einen kurzfristigen Dämpfer versetzte, hält China grundsätzlich an seinem Atomprogramm fest.

So ergibt sich in der Gesamtschau ein zwiespältiges Bild. China besitzt eine große Motivation und das Potential zur Avantgarde bei der Entwicklung von alternativen Energieressourcen und neuen Technologien zu werden. Doch ist derzeit nicht absehbar, dass der Entwicklungsschub eine radikale Energiewende bewirken kann. Zumindest mittelfristig wird Kohle den chinesischen Energiesektor als wichtigster Energieträger weiterhin dominieren. Bei jährlichen Zuwächsen des Kohleverbrauchs, die derzeit größer sind als Deutschlands Gesamtverbrauch, ist der chinesische Hunger auf Kohle maßgeblich dafür verantwortlich, dass der globale Ausstoß von Treibhausgasen nicht gebremst sondern weiter ansteigen wird.