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TU Berlin

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XXII. Jahrestagung der DVCS

Kontinuität und Umbruch in Chinas Geschichte und Gegenwart

Dirk Kuhlmann (Universität Trier):

Xixue dongjian – Schlaglichter auf eine Form des interkulturellen Austauschs und ihre festlandchinesische geschichtswissenschaftliche Interpretation (Abstract)

Die Reflexion der Modi einer Rezeption westlicher Einflüsse bildete seit dem späten 19. Jahrhundert ein Metathema intellektueller Debatten in China. Die Positionen reichten in der Republikzeit von exkludierend-kulturkonservativen Ansätzen bis zu solchen, die eine partielle Adaption von Elementen der westlichen Kultur oder eine Assimilation Chinas an den Westen befürworteten. Korrespondierend dazu sollen in diesem Vortrag Argumentationsmuster festlandchinesischer historiographischer Interpretationen des Prozesses der Vermittlung „westlicher Lehren“ (xixue), v.a. innerhalb der chinesischen Bildungselite, durch Akteure katholischer wie protestantischer Missionsgesellschaften skizziert werden. Unter dem Blickwinkel von Kontinuitäten und Brüchen werden zudem Positionen der Republikzeit in Beziehung zu historiographischen Debatten seit den 1980er Jahren gesetzt. Besondere Berücksichtigung findet dabei die Funktion dieser Interpretationen in der Konzeption von „Identität“ und „Alterität“.

Der missionarische Fokus wurde zum einen gewählt, da diese Gruppe aktiv als kulturelle Vermittler wirkte und den Transfer bis ins frühe 20. Jahrhundert maßgeblich über ihre Publikationen und das kirchliche Schulwesen mitprägte. Zum anderen verdichten sich hier Spezifika und Problematiken eines interkulturellen Transfer-Prozesses als intentionales Phänomen: So zielt die „Mission“ von Seiten des Initiators bewußt einerseits auf eine kulturelle Transformation auf der personalen Ebene (Konversion), zugleich sollte diese Transformation in eine strukturelle Kontinuität überführt werden (Plantation). Damit ist sie ebenso von einem starken Element der Überzeugung/Werbung, die auch als „Täuschung“ ausgelegt wurde, wie einer intensiven Auseinandersetzung mit den Perspektiven der Gastgeberkultur geprägt, so daß die Intentionalität auch als Bedingung für eine interkulturelle Begegnung auf einem hohen Reflexionsniveau interpretiert werden kann.