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TU Berlin

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XXII. Jahrestagung der DVCS

Kontinuität und Umbruch in Chinas Geschichte und Gegenwart

Nicola Spakowski (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg):

Zeitverlaufsvorstellungen im modernen chinesischen (Geschichts)denken (Abstract)

Die Identifizierung von Dauer und Wandel gehört zum Kerngeschäft der Geschichtsschreibung, die sich dabei ihres fachwissenschaftlichen Baukastens von Perioden, Epochen, Revolutionen etc. bedient. Vorstellungen von Dauer und Wandel werden aber nicht exklusiv von Historikern generiert, sondern manifestieren sich auch in übergreifenden gesellschaftlichen Diskursen. Als solche entziehen sie sich oft der kritischen fachwissenschaftlichen Reflexion und können gleichzeitig wesentlich wirkungsmächtiger sein. In diesem Vortrag werden auf der Grundlage von Theorien der Zeitsoziologie, der Geschichtstheorie und der Narrativik Zeitverlaufsvorstellungen im modernen China untersucht. Es werden dabei wesentliche Denkfiguren vorgestellt, wie sie sich in historiographischen, gesellschaftlichen und politischen Diskursen niederschlagen. Der Untersuchungszeitraum ist weit gefasst, um die historischen Wurzeln aktueller Diskurse im traditionellen Geschichtsdenken und den intellektuellen Neuerungen des späten 19. Jahrhunderts aufzeigen zu können. Im Zentrum stehen drei grundsätzliche Zeitverlaufsvorstellungen: die Vorstellung eines zeitlich ungestuften Erfahrungsraumes, wie er sich im exemplarischen Denken ausdrückt, lineares und zyklisches Denken. In dem Vortrag soll gezeigt werden, wie sich diese drei Vorstellungen auf verschiedene Gegenstandsbereiche (Ethik, Ökonomie, Staatsgeschichte) verteilen und wie sie im Verlauf der Geschichte des modernen China unterschiedlich bedient, verknüpft und modifiziert wurden.