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TU Berlin

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Besuch von Frau Lee:

Eine der letzten überlebenden „Trostfrauen“ aus Südkorea

Lupe

Kann man „Han“, das Gefühl des unendlichen, unermesslichen Leids, überwinden? Ein Versuch durch persönliche Begegnung: Die ehemalige koreanische „Trostfrau“ Lee, Ok-Seon und ihr japanischer Fotograf Tsukasa Yajima im Gespräch.

Wann & Wo?

Wann?

03. September 2013, 19:00 Uhr

Wo?

Berlin TU-Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, Raum H-O107
Veranstalter: TU-Berlin- TU Berlin Center for Cultural Studies on Science and Technology in China, Korea Stiftung und Korea-Verband e.V.

 

 

Programm
19:00 Uhr
Begrüßung Dr. Eva Sternfeld, TU Berlin Center for Cultural Studies on Science and Technology in China
19:05 Uhr
Begrüßung Dr. Uwe Schmelter, Kurator der Korea-Stiftung, ehemaliger Regionalleiter des Goethe-Instituts in Ostasien )
19:10 Uhr
Kurze Einführung in das Thema durch die Moderatorin, Anna von Gall (European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR)
19:20 Uhr
TSUKAMOTO Akiko: „Politische Debatten über ‚Trostfrauen‘ in Japan“
19:30 Uhr
LEE Ok-Seon: „Meine Erfahrung als „Trostfrau“
20:00 Uhr
YAJIMA Tsukasa: Porträtreihe „Von Angesicht zu Angesicht“ als Powerpoint-Animation mit Originaltonaufzeichnungen von Überlebenden durch Joshua Pilzer
20:15 Uhr
PODIUMSDISKUSSION ·         KIM Jeoung-Sook, Geschäftsführerin von House of Sharing ·         DOI Kazushige, Promotion in Rechtswissenschaft an der Universität Marbug ·         TSUKAMOTO Akiko, Japanische Anti-Atomkraft-Gruppe „Sayonara Nuke Berlin“ ·         YAJIMA Tsukasa, Fotojournalist, Korea-Verband e.V.  
21:00
Abschlussworte: Yong-Seon CHANG-Gusko, Korea Stiftung

Bedeutung des HANs:

„Han“, ist das Gefühl des unendlichen, unermesslichen Leidens, welchem man schicksalhaft durch die historische oder persönliche Geschichte ausgeliefert ist. Es wird oft als Groll oder Rache übersetzt. Das Besondere an „Han“ ist, dass es zur Auflösung und Überwindung kommen soll und kann. Koreanische „Trostfrauen“ kennen wie wenige andere Menschen, das Gefühl, an ihrem „Han“ zu zerbrechen. Die "Korea Stiftung" beschäftigt sich in diesem Jahr in ihren Veran-staltungen mit dem Schwerpunktthema "Han", seinen Ursprüngen, seinen Ausprägungen und Auswirkungen bis in unsere Zeit und im vergleichenden interkulturellen Kontext Ostasiens. 

In diesem Zusammen will Korea-Stiftung dem Thema und dem Schicksal der "Trostfrauen" widmen. Als „Trostfrauen“ wurden die nach Schätzungen ca. 200.000 Mädchen und junge Frauen aus 13 Ländern bezeichnet, die während des Asien-Pazifik-Krieges (1937-1945) vom japanischen Militär zur Sexsklaverei in Militärbordellen gezwungen wurden. Nur wenige von ihnen überlebten diese Tortur und trugen körperliche, seelische und soziale Folgeschäden davon. Das Thema ist seitens der japanischen Regierung weder als Kriegsverbrechen anerkannt, noch angemessen aufgearbeitet - die überlebenden Frauen kämpfen bis heute um politische Anerkennung und Rehabilitierung.

Im Zentrum der Veranstaltung steht die persönliche Begegnung zwischen Frau LEE Ok-Seon, der 86-jährigen Zeitzeugin und dem japanischen Fotograf Yajima Tsukasa, der im Jahre 200 nach Korea reiste, um Antworten zu finden auf das Schweigen seines Großvaters. Er verbrachte drei Jahre mit ehemaligen „Trostfrauen“ im Wohnprojekt „The House of Sharing“. In dieser Zeit entstand ddie Porträtreihe „Von Angesicht zu Angesicht“, die diese Frauen in ihrem Stolz und ihrer Würde zeigt.

Vita von Frau LEE Ok-Seon

Lee Ok-Seon wurde 1927 in Busan, Süd-Korea, in eine arme Familie geboren. Auch wenn der Wunsch groß war, konnte ihre Familie ihr es nicht ermöglichen die Schule zu besuchen. 1940 bot ihr jemand an, „sich Geld für den Schulbesuch zu verdienen“, und so begann sie bereits im Alter von 13 Jahren in einem Hotel in Ulsan zu arbeiten. 1942 wurde sie von einem Koreaner und einem Japaner gewaltsam entführt und nach Yanji, der heutigen Provinz Jilin in Nord-West China, verschleppt.

So lebte sie drei Jahre als Sexsklavin in einer sogenannten „Troststation“ des japanischen Militärs. Als ein Ergebnis der wiederholten Injektionen des Anti-Syphilis Medikaments „Arsphenamine-606“ und der Quecksilberdampf-Behandlungen, wurde sie unfruchtbar. Während der Arretierung in einer „Troststation“  nahe dem Ost-Yanji Flughafen, verliebte sie sich in einen zwangsrekrutierten Koreaner der japanischen Armee. Nach dem Ende des Krieges suchte sie ihn zu Fuß. Nachdem sie ihn schließlich fand, ließen sie sich in Badazhen, in der Provinz Jilin  nieder und heirateten. Doch als der Krieg China erreichte, wurde er wieder eingezogen und verschwand in den Wirren des Krieges. Sie lebte jahrelang als Frischvermählte ohne Ehemann bei den Schwiegereltern in Korea, was zu dieser Zeit üblich war. , aber letztendlich, als er endgültig nicht wieder zurückkehrte, heiratete sie zehn Jahre später wieder.  Bis zum Jahr 2000, als sie endgültig nach Korea zurückkehrte, lebte sie in Yanji, mit dem Sohn ihres Ehemanns aus einer früheren Ehe.

Heute:

Lee Ok-Seon bedauert es am Meisten, dass sie als Kind nicht zur Schule gehen konnte  und deshalb liest sie heute mit großer Begeisterung alles was sie in die Finger bekommen kann – Bücher, Briefe, Flugblätter, Protestschreiben der wöchentlich stattfindenden Mittwochsdemonstration vor der japanischen Botschaft in Seoul am Mittag und wurde zu einer leidenschaftlichen und glühenden Menschenrechtsaktivistin.  Sie lebt  heute mit anderen ehemaligen „Trostfrauen“ im „Haus des Teilens“ (House of Sharing) in der Nähe von Seoul.

Moderation: Anna von Gall

Anna von Gall hat nach juristischer Ausbildung in Göttingen, Hamburg, Berlin und Kiew im Bereich des Ausländerrechts, der internationalen Zusammenarbeit sowie für das Forum Menschenrechte gearbeitet. Sie war unter anderem in Namibia, Brüssel und zuletzt in Georgien tätig und ist Mitglied der Koordinationsgruppe gegen Straflosigkeit bei Amnesty International Deutschland. Für das ECCHR  (European Center for Constitutional and Human Rights) koordiniert sie das Programm Gender und Menschenrechte.

Die ExpertInnen des Podiums

KIM Jeoung-Sook

Begleitet Frau LEE Ok-Seon aus Südkorea. Sie arbeitet seit 2001 im Wohnprojekt „The House of Sharing“ für die ehemaligen “Trostfrauen”,  in dem auch ein Museum über “Trostfrauen” integriert ist. Inzwischen ist sie die Geschäftsführerin des House of Sharing und die Leiterin des Museums.  Als Generalsekretärin des International Center for Peace and Human Rights ist sie seit 2008 Mitglied im Frauenkomitee für den Regionalverband und seit 2010 Mitglied des Komitees für die Internationale NGO Konferenz. Derzeit promoviert sie an der Dongdok Frauenuniversität im Fachbereich Frauenstudien.

 

TSUKAMOTO Akiko

 Geboren 1980 in Gifu, Japan. Studierte an der Rikkyo Universität in Tokio Germanistik (B.A.) sowie an der Humboldt-Universität zu Berlin Europäische Ethnologie und Gender Studies (M.A.). Forschungsschwerpunkte: Reproduktive Gesundheit, Familie, Männerforschung sowie Ostdeutschland/DDR. Journalistische Tätigkeiten zum Thema Ostdeutschland, Autorin von „Ganbare Brandenburg!“[„Los, Brandenburg!“], dem ersten japanisch-sprachigen Reise-Essay über das Land Brandenburg, Mitgründerin der japanischen Anti-Atomkraft-Gruppe „Sayonara Nuke Berlin“

 

TSUKASA Yajima

 Er war Fotojournalist bei der renommierten japanischen Tageszeitung Asahi Shinbun und kam 2006 nach Deutschland. Von 2003-2006 lebte er mit den ehemaligen „Trostfrauen“ im Wohnprojekt „The House of Sharing“ in Süd-Korea. In dieser Zeit entwickelt sich die Freundschaft zu Frau Lee Ok-Seon und erstellte dort, mit mehreren anderen Zeitzeuginnen, die Portraitserie „Von Angesicht zu Angesicht“. Darüber hinaus portraitierte er auch „Trostfrauen“ in Korea, China und Taiwan. Er lebt und arbeitet in Berlin.

 

DOI Kazushige

Jurastudium - Bachelor der Rechtswissenschaften an der Meiji Universität, Tokyo

Magisterstudium  der Rechtswissenschaft an  der Philipps-Universität Marburg

Promotion der Rechtswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg bei Prof. Dr. Christoph Safferling, LL. M.

Veröffentlichungen: „Wozu bestrafen wir Straftäter? Staat, Strafe und Ich“

Vorträge: „Trostfrauen aus Korea vor japanischen Gerichten“                                        Forschungsprojekt: u.a. - Probleme der Nachkriegswiedergutmachung im Verhältnis zwischen Japan und seinen Nachbarländern aus juristischer Sicht

Mit-Veranstalterin und Dolmetscherin

Vorsitzende Korea-Verband e.V., Gründerin der AG „Trostfrauen“ im Korea-Verband

Als Jugendliche (16 J.) kam sie aus Südkorea nach Deutschland und studierte Koreanistik, Japanologie und Kunstgeschichte in Tübingen, an der FU und HUB in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Gender, Postkoloniale Theorien und Migration. 2008 gründete sie die AG „Trostfrauen“ im Korea-Verband e.V. und lud mehrere Male ehemalige „Trostfrauen“ nach Deutschland ein.

Seit 2010 führt sie die multime­diale Veranstaltungsreihe über "Trostfrauen“ mit dem japanischen Fotografen, YAJIMA Tsukasa, in mehr als 16 deutschen Städten im Rahmen der Wanderausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ durch.

Sie übersetzte Beiträge aus Korea im Sammelband „Erzwungene Prostitution in Kriegs- und Friedenszeiten: Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ (2006), herausgegeben von Barbara Drink und Chung-Noh Gross. 2001 übersetzte Sie den 21-bändigen Historienroman "Land" von Pak Kyongni, mit Prof. Dr. Helga Picht. Außerdem hat sie die Redaktionsleitung der einzigen deutschsprachigen Fachzeitschrift für Korea, das  „Korea Forum“ inne.

 

 

Koordination der gesamten Besuchsprogramms: Kay Specht-Rhee, Korea-Verband e.V.

Ansprechpartnerin für den Raum: Dr. Eva Sternfeld (TU) 030-31422680 mob. 0176-83050632

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