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TU Berlin

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„Das Land wird alt bevor es reich wird.“ (chin. 未富先老). Dieser Gedanke beschäftigt seit Beginn des neuen Jahrtausends die Medien und die Wissenschaft im In- und Ausland. In der Tat: China wird in den nächsten Jahren dramatisch altern. Chinesische Demografen gehen davon aus, dass circa 30% der Bevölkerung im Jahr 2050 älter als 60 Jahre sein werden. Der Anteil dieses sogenannten „Volkes der Silberhaarigen“ (chin. 银发族) wird in manchen Regionen sogar bei über 50% liegen (Li Baoku 2010, Zeng Yi 2008). Schon heute sind mehr als 200 Millionen von circa 1,4 Milliarden Chinesen älter als 60 Jahre. Davon lebt etwa die Hälfte alleine (South China Morning Post 09.06.2013).
Das Land ist zunehmend mit einer Bevölkerungsstruktur konfrontiert, wie man sie aus Japan und europäischen Industrienationen kennt: Die Alten werden immer älter und die Jüngeren setzen weniger Kinder in die Welt. Trotz Lockerung der Ein-Kind-Politik, die oft als Hauptgrund für die alternde Gesellschaft genannt wird, konnte bisweilen kein Geburtenzuwachs beobachtet werden. Insbesondere im städtischen Raum haben viele junge Paare aufgrund steigender Lebenshaltungskosten und hoher Schulgebühren keinen Spielraum für weitere Kinder. Die durchschnittliche Geburtenrate liegt mit 1,67 Kindern pro Frau nur geringfügig über dem Niveau von Deutschland (1,38) und Japan (1,43) (Weltbank 2013).
„Entwickelte“ Staaten haben in dem Stadium der Versilberung bereits ein hohes Pro-Kopf-Einkommen und grundlegende Strukturen der Altersabsicherung aufgebaut. In beiden Punkten hängt China noch sehr weit hinterher. Hinzukommt, dass sich Chinas riesiges Reservoir an Arbeitskräften, das den wirtschaftlichen Erfolg der letzten Jahrzehnte garantieren konnte, in Folge des demographischen Wandels verkleinern wird. Neben geringeren Wachstumspotenzialen werden erhebliche Kosten für das im Aufbau befindliche Rentensystem prognostiziert.
Das China Center der TU Berlin möchte die Herausforderungen des demographischen Wandels mit den staatlichen und zivilgesellschaftlichen Lösungsansätzen in der Altenpflege innerhalb eines halbtägigen Kolloquiums vorstellen.

Programm

  Uhrzeit  
  Referent/in
  Thema
14:00 – 14:15
Johannes Küchler
Begrüßung

14:15 – 15:00
Guo Haixin
 „SilberGrün“ - Über die Einbeziehung der alternden Gesellschaft in urbane Landwirtschaftsprojekte
 
15:00 – 15:45
Helmut Riethmüller
Der gesellschaftliche Beitrag des Silberhaarvolks in China und Deutschland zwischen Realität und Anspruch

15:45 – 16:30
Astrid Vonhoff
Nachhaltige zirkuläre  Migration - Chinesische Pflegefachkräfte arbeiten in Deutschland

16:30 – 17:00
                        Kaffeepause
17:00 – 17:45
Angelika Messner
Wie altern Menschen in der gegenwärtigen VR China?  
17:45 – 18:30
Tania Becker von Falkenstein  
 „Das dritte Glück“ Leben in einem chinesischen Hospiz
18:30 – 19:00
 Abschlussdiskussion
Ab 19:00
                     Kalte Getränke und Snacks

Moderation: Dr. Eva Sternfeld

 

 

Übersicht der Referent(innen) & Vorträge

 

Titel:
„SilberGrün“ - Über die Einbeziehung der alternden Gesellschaft in urbane Landwirtschaftsprojekte  
Referent:
Guo Haixin,
Dipl.-Ing.(Gebäudetechnik), Associate Professor an der Deutsch-Chinesischen Hochschule für angewandte Wissenschaften an der Tongji-Universität (Shanghai)  
Eine große Anzahl von pensionierten Chinesen ist in Panik: Sie sind alt und gleichzeitig arm. Manche von ihnen haben nur Anspruch auf eine knappberechnete Grundsicherung. Andere wiederum fallen durch alle sozialen Absicherungen und müssen noch im hohen Alter einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Über Jahrzehnte hat das chinesische Wohlfahrtsystem die Gruppe der Silberhaarigen weitestgehend ignoriert. Gleichzeitig haben Diskussionen um “grüne Stadtentwicklung“ und „Urban Landwirtschaft“ zugenommen. Inwieweit diese Diskussionen mit dem Thema der „Alternden Gesellschaft“ zusammenhängen und welche möglichen Synergieeffekte sich ergeben könnten, wird Herr Guo Haixin in seinem Vortrag klären.  
Titel:
Der gesellschaftliche Beitrag des Silberhaarvolks in China und Deutschland zwischen Realität und Anspruch  
Referent:
Helmut Riethmüller,
Dr., Geschäftsführer FORUM Berufsbildung e.V.  
China sieht sich in den nächsten Jahrzehnten einem starken Anstieg des Seniorenanteils gegenüber, deren klassische Pflegeversorgung in den Städten kaum bewältigbar ist. Es bedarf der Schaffung gesetzlicher Grundlagen, des umfassenden Aufbaus von stationären und ambulanten Pflegekapazitäten mit öffentlichen und privaten Strukturen sowie der Ausbildung von Fachkräften auf allen Ebenen. Daneben muss sich jedoch das Bild von den verfallenden und dementen Alten wandeln hin zu den aktiven Alternden, die noch möglichst lange gesund sind und einen Beitrag zur Gesellschaft leisten, in welchen Formen und Strukturen auch immer. Das gilt für China wie auch für Deutschland.  
Titel:
Nachhaltige zirkuläre  Migration - Chinesische Pflegefachkräfte arbeiten in Deutschland  
Referentin:
Astrid Vonhoff,
M.A., Vorsitzende der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Pflege 德中护理协会序言  
Der Vortrag beschäftigt sich mit den Herausforderungen der alternden Gesellschaft in beiden Ländern. Er beleuchtet den Pflegefachkräftemangel in Deutschland und die Möglichkeit in der Pflege mit chinesischen Pflegefachkräften zu arbeiten. Anhand von ausgewählten Beispielen wird dargestellt, wie eine chinesische Pflegefachkraft in ihrem Heimatland vorbereitet wird, um in Deutschland als Fachkraft arbeiten zu können. Ferner wird das Ziel und der Zweck der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Pflege e.V. vorgestellt.   
Titel:
Wie altern Menschen in der gegenwärtigen VR China?  
Referentin:
Angelika Messner,

Prof. Dr. phil., Chinazentrum der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel  
Wenn Tugenden wie die Kindespietät sukzessive verschwinden, wirkt sich dies besonders auf die Alternden aus. Die bislang wichtigste Versorgungseinheit für Alte, die Familie, ist immer öfter schlichtweg nicht vorhanden. Diese Veränderungen bewirken neuartige Erfahrungen und Umgangsweisen mit Altern, Sterblichkeit und Vergänglichkeit im heutigen China. Auch wenn das im Juli 2013 lancierte Gesetz zum „Schutz der Rechte und Interessen älterer Menschen“ die Kinder von über Sechzig-Jährigen zu regelmäßigen Besuchen verpflichtet, die staatlich kaum existente Altenpflege nicht ersetzen kann, markiert dieses Gesetz die Brisanz der gegenwärtigen Situation. Wie gestalten sich gegenwärtig, angesichts sich verändernder Morallandschaften, die Lebensverläufe alternder Menschen? Der Vortrag stellt die Frage nach den Bindungen und Ligaturen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit  
Titel:
„Das dritte Glück“ - Leben in einem chinesischen Hospiz
 
Referentin:
Tania Becker von Falkenstein,
Dr. phil., TU Berlin
 
Das Songtang-Hospiz (Beijing Songtang Guanhuai Yiyuan 北京松堂临终关怀医院) im Pekinger Stadtteil Chaoyang 朝阳 ist das älteste und bekannteste Hospiz Chinas. Es ist den  Prinzipien der internationalen Hospizbewegung verpflichtet, welche die Bedürfnisse der Sterbenden in den Vordergrund stellen, aber in der Praxis geht es noch darüber hinaus: Während der fast dreißig Jahren seines Bestehens entwickelte sich das Songtang zu einer kombinierten Einrichtung aus Hospiz, Altenheim, Pflegeheim, Waisenhaus und Krankenhaus. Praxisorientiert und lebensnah wirkt die Einrichtung in vielen Bereichen der ganzheitlichen Pflege von terminal Kranken als Wegweiser in der Hospizlandschaft und der Wohlfahrtspflege Chinas. Besonders mit der in den eigenen Reihen entwickelten "Social Mother Welfare Theory" (shehui womu lilun 社会沃母理论), einer nach Untersuchungen von über zehntausend Patienten formulierten Vorstellung von den Entsprechungen der Anfangs- und Endphase des Menschenlebens, bietet das Pekinger Hospiz einen speziellen Ansatz für die Verbesserung der Lebensqualität von Sterbenden an. Der Vortrag zeigt am Beispiel des Pekinger Songtang-Hospizes, welche Probleme in der organisierten Begleitung der letal Kranken und Sterbenden vorherrschen, und stellt den Wohlfahrtsgedanken am Lebensende als Impulsgeber einer zukünftigen Sozialordnung Chinas vor.  

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Das alternde China: Wer pflegt das „Volk der Silberhaarigen?“

11. Dezember,
14:00 - 19:00 Uhr,
TU Berlin,
Marchstr. 23
Raum 2.068