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TU Berlin

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In memoriam Prof. em. Dr. Hans Poser

Lupe

Wir gedenken Herrn Prof. em. Dr. Hans Poser, dem Gründungsmitglied unseres China Centers und langjährigem China Center-Beiratsmitglied.

Hans Poser wurde am 25. Mai 1937 in Göttingen geboren. In Tübingen und Hannover studierte er Mathematik, Physik und „zum Spaß“ (Poser) Philosophie. Nach dem Staatsexamen für das Lehramt für höhere Schulen wollte Poser aus dem „Spaß“ Beruf und Berufung machen und ließ sich im Fach Philosophie promovieren (1968), und zwar mit einer grundlegenden Arbeit zur Theorie der Modalbegriffe bei G. W. Leibniz. Die Promotionsschrift, die über Leibniz hinaus den Vollzug eines Brückenschlages zwischen den formalen Systemen der Modallogik seit Aristoteles auf der einen und den informell-inhaltlichen Modalaussagen auf der anderen zum Ziel hat, zeigt bereits, dass es Hans Poser nicht allein um Leibniz und eine historische Rekonstruktion seines Denkens geht. Es war ihm von Beginn an wichtig, Leibniz‘ reiches Erbe (und das der Geschichte der Philosophie generell) für die Fragen unserer, auf Wissenschaft und Technik basierenden Zeit fruchtbar zu machen. So wird aus der Leibniz‘schen Theodizee die Poser‘sche Technodizee; aus Leibnizens rationaler Schöpfungstheologie der Poser‘sche Homo Creator; wenn es Leibniz noch darum ging, angesichts der Allmacht und der Omnipotenz Gottes die Willensfreiheit des Menschen zu retten, ist die Freiheit eine der Grundvoraussetzungen und ein Grundwert moderner Zeit geworden, und es gilt vielmehr, mit ihr verantwortungsvoll umzugehen.

Nach der Habilitation (1971) und einer kurzen Dozentur in Hannover wurde Hans Poser 1972 an die Technische Universität Berlin berufen. Dem Institut für Philosophie, Wissenschaftstheorie, Wissenschafts- und Technikgeschichte (inzwischen Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte) diente er bis zur Emeritierung 2005.

Als engagierter und äußerst beliebter Lehrer besaß Poser die bewunderungswürdige Gabe, intellektuell anspruchsvolle Themen und komplexe Sachverhalte klar darzustellen und in zugänglicher Sprache zu vermitteln. Über Berlin hinaus bekannt, und inzwischen geradezu legendär waren die Forschungs-Kolloquien des Instituts im jeweiligen Winter-Semester mit der Dokumentation im Sommer-Semester, unter anderem zu „Philosophie und Mythos“, „Naturverständnis und Naturbeherrschung“, „Formen teleologischen Denkens“, „Philosophische Probleme der Handlungstheorie“, „Wahrheit und Wert“, „Erfahrung und Beobachtung“…

In seinen zahlreichen Ämtern und Funktionen hat Hans Poser der Philosophie, neben der Leibniz-Forschung insbesondere der Wissenschaftstheorie, der Technikphilosophie, der Technikethik und der Geschichte der europäischen Philosophie der Frühneuzeit vielfältige Impulse gegeben.

Von 1977 bis 2014 war er Vize-Präsident und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der Leibniz-Gesellschaft (zuletzt Ehrenmitglied).

Von 1991 bis 2006 war er Mitglied in den VDI-Arbeitsgruppen und Ausschüssen "Technik und Philosophie", "Grundlagen der Technikbewertung" und Vorsitzender des Ausschusses "Technik und Interkulturalität".

Von 2003 bis 2013 war Hans Poser Mitglied im Steuerungskomitee der Fédération Internationale des Sociétés de Philosophie (FISP). Als Vorsitzender des Komitees für die Geschichte der Philosophie setzte er sich zuletzt ein für die Idee einer interkulturellen Geschichte der Philosophie.

China, seine Kultur und seine Menschen, die Zusammenarbeit und der Austausch mit dem Reich der Mitte waren Hans Poser ein besonderes Anliegen, trotz und gerade angesichts nicht immer leichter politischer Umstände dort.

Der Gründung der „Arbeitsstelle für Philosophie und Geschichte der Wissenschaften und Technik Chinas“ (heute Center for Cultural Studies on Science and Technology in China, CCST, kurz: China Center) an der TU Berlin nach 1989 - das Datum ist hier nicht unwichtig - gingen bereits eine Reihe an Aktivitäten, Besuchen und Gastprofessuren dort voraus. Nicht wenige Gäste und StipendiatInnen, die die Stelle gefördert hatte, sind inzwischen LehrstuhlinhaberInnen und InstitutsdirektorInnen in China, Deutschland, der Schweiz und den USA. 2003 erfolgte die Gründung der „Chinesisch-Deutschen Forschungsstelle für Technikphilosophie und Technikethik“ an der Universität Dalian; an den Tagungen in den folgenden Jahren nahmen führende Köpfe beider Länder teil; die chinesische Ausgabe der Wissenschaftstheorie von Hans Poser gehört seitdem zu den Lehrbüchern an chinesischen Universitäten; Vorträge, die Hans Poser an verschiedenen chinesischen Universitäten hielt, fanden ihren Druck im Band „Homo Creator: Technik als philosophische Herausforderung“.

Hans Poser verstarb am 9. März 2022 in Berlin-Frohnau im Alter von 84 Jahren.

Prof. Dr. LI Wenchao

(Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, CCST-Beiratsmitglied)

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