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TU Berlin

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Profil des China Centers

Lupe

Mit dem „Center for Cultural Studies on Science and Technology in China“ (kurz: China Center) bietet die TU Berlin fächerübergreifende China-spezifische Lehre an und integriert darüber hinaus sinologische und interdisziplinäre Forschung. Dabei weist das China Center eine in der deutschsprachigen Universitätslandschaft einmalige Ausrichtung auf die Untersuchung der wissenschafts- und technikgeschichtlichen Aspekte der Beziehungen zwischen China und der westlichen Welt auf. Das Center ist dem Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte der Fakultät I angegliedert. Das Lehrprogramm umfasst u.a. Unterrichtseinheiten zu Philosophie, Technikgeschichte, Wissenschaftsgeschichte und Wirtschaft Chinas.

Unsere Leitgedanken zur Kooperation der TU Berlin mit Partnern in der VR China

1 Ausgangslage: Die Erneuerung des Führungsanspruchs der KPCh bei der wissenschaftlich-technischen Entwicklung

Die Bedingungen für den Austausch mit Partnern in der VRCh haben sich in der jüngsten Vergangenheit verändert, gemessen am status quo ante (damit sind die Jahre der Reform und Öffnung, d.h. der Zeitraum zwischen 1980 und etwa 2015 gemeint). Für den Fortbestand einer beiderseits fruchtbaren Zusammenarbeit ist es daher geboten, aus der Sicht unserer Universität sich Grundlagen und Imperative der Kooperation zu vergegenwärtigen.

1.1 Historischer Kontext

Die TUB gehört traditionell zu den am stärksten international verflochtenen Technischen Universitäten in Deutschland.[1] Die Kooperation mit chinesischen Partnern hat dabei traditionell ein besonderes Gewicht.

Die Beziehungen der TUB und ihrer Vorläufer zu chinesischen Partnern reichen zurück bis in die Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Politische Zäsuren haben hier wie dort die stetige Entfaltung dieser Beziehungen erschwert, sie auch zeitweilig unterbrochen, aber nie abreißen lassen. Das Bewusstsein von persönlicher und institutioneller Unsicherheit ist in der chinesischen Kultur tief verankert. Daraus ergibt sich die hohe Wertschätzung langer und verlässlicher Partnerschaften, gerade auch im Bereich der Wissenschaften, wo kommerzielle Motive gar nicht oder zumindest nicht unmittelbar handlungsleitend sind bzw. sein sollten.

Mehr als 70 Jahre nach Gründung der VRCh und mehr als 40 Jahre nach Einleitung der Reform- und Öffnungspolitik ist China in vielen Forschungsfeldern und bei der Entwicklung neuer Technologien tonangebend. Dieser Erfolg gelang dank massiver Investitionen in Bildung, Forschung und Technologieentwicklung, gleichzeitig gestützt auf internationale Partnerschaften. Chinas Wandel von der Werkbank der Welt zu einer innovationsgetriebenen global agierenden Volkswirtschaft ist aufs engste verknüpft mit dem Ausbau des Bildungswesens, besonders seiner Forschungs- und Entwicklungskompetenz, begleitet von einem entsprechenden institutionellen Strukturwandel.

Dieser Wandel äußert sich auch in einem neuen widerspruchsvollen Verhältnis zwischen der Führung des Wissenschaftssystems durch die KPCh und dem relativ offenen internationalen Austausch innerhalb der verschiedenen scientific communities.

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[1] 900 Gastwissenschaftler*innen, über 400 intern. Forschungs- und Lehrkooperationen, 22% intern. Studierende; aus: Rummler, Monika: „Internationalisierung der Lehre: Ansatz und Erfahrung der hochschul-didaktischen Weiterbildung der TU Berlin“, in: Ittel, Angela; Meyer N .Pereira, Anja (Hgs.): Internationalisierung der Curricula in den MINT-Fächern, Berlin, 2018, 59.

1.2 Die Erneuerung des Machtanspruchs der KPCh und ihre Folgen

Das antagonistische Verhältnis zwischen dem einheitlichen Führungsanspruch der Partei und dem eher ungelenkt-informellen Charakter „normaler“ internationaler, Disziplin-interner Kommunikation führt in der alltäglichen Praxis zu Spannungen. In wachsendem Maße sind dabei die ausländischen Partner, also auch die technischen Universitäten in Deutschland mit rechtlichen Auflagen, organisatorischen Hürden sowie einschränkenden inhaltlichen Rahmensetzungen der chinesischen Partner konfrontiert.

Diese Kooperations-erschwerenden Begleitumstände seit dem politischen Führungswechsel 2012/2013 fordert die ausländischen Partnerinstitutionen auf, die bisherige Zusammenarbeit zu überdenken und den neuen Bedingungen anzupassen. Was ist zu beachten, wenn neue Kooperationen angebahnt und bestehende fortgeführt werden sollen? Welche Ausrichtung sollte die Zusammenarbeit hinsichtlich einer Stärkung der deutsch-chinesischen Hochschulkooperation haben? Einerseits erwarten die Industriegesellschaften Europas und die chinesische gleichermaßen von ihren Hochschulen Antworten auf eine unendlich große Zahl brennender Probleme. Insofern gibt es ein gemeinsames Interesse hier wie dort als Grundlage jeder Kooperation. Andererseits unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen und Erwartungen an die Wissenschaft in einer offenen pluralistisch-strukturierten Gesellschaft von denen in einer zentralistisch und autoritär verfassten. Diese Verschiedenheit hat Auswirkungen auf die Kooperation.

2 Kooperation – Ziel und Handlungsfelder, Prinzipien

Leitgedanke ist es, die Zusammenarbeit mit Partnern in und aus der VRCh an den strategischen Interessen und dem Leitbild der TUB[1] auszurichten.

2.1 Ziel und Handlungsfelder

Ziel ist es, durch diesen Austausch zur Bewältigung globaler Herausforderungen beizutragen,
In diesem Sinne

  • ist der technik- und ingenieurwissenschaftliche Diskurs zwischen China und Europa, zwischen der TUB und ihren chinesischen Partnern voranzutreiben.
  • sollte der Austausch mit bewährten Partner-Institutionen fortgesetzt und vertieft werden bei gleichzeitiger Offenheit für neue Partner.
  • sollten bestehende Kooperations-Aktivitäten, insbesondere in TUB-relevanten Schwerpunkt-Feldern (Mobilität, Urbanisierung, Umwelt, Digitalisierung) deutlich gefördert werden.
  • muss sich die TUB im engen und regelmäßigen Austausch mit DAAD, DFG, MPG, aber auch den in der VRCh tätigen politischen Stiftungen, frühzeitig mit der Dynamik der chinesischen Wissenschafts- und Kulturpolitik und deren Folgen auseinandersetzen.
  • sollten durch wiederholte gemeinsame Stärke/Schwächen-Analysen Problemfelder und Potentiale identifiziert werden.
  • ist an der TUB bei allen Betroffenen aus den verschiedenen Statusgruppen eine fundierte Chinakompetenz aufzubauen, z.B. innerhalb des überfachlichen Bereichs der Curricula und in der Weiterbildung (s. Angebote des China Centers für Beschäftigte „Chinakompetenz-Weiterbildung“ und Studierende „Chinakompetenz-Zertifikat“).
  • sollte an der TUB den chinesischen (wie allen ausländischen) Studierenden und Nachwuchskräften innerhalb der betroffenen Fachgebiete eine vorbildliche Betreuung geboten werden. Dafür müssen auch spezifische Personalkapazitäten bereitgestellt werden.

2.2 Prinzipien

Grundsätzlich sollte sich die Zusammenarbeit mit Partnern in der VR China orientieren

  • am geltenden deutschen, europäischen und internationalen Recht, insbes. Artikel 15 des UN-Sozialpakts[1]
  • an den Leitlinien des BMBF[2] sowie den Leitfragen der HRK für die China-Kooperation und
  • der Internationalisierungsstrategie der TUB[3]

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[1] https://www.sozialpakt.info/internationaler-pakt-ueber-wirtschaftliche-soziale-und-kulturelle-rechte-3111/Die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik China sind Vertragsstaaten dieses Pakts.

[2] Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Referat Zusammenarbeit mit Asien und Ozeanien, China-Strategie des BMBF 2015–2020. Strategischer Rahmen für die Zusammenarbeit mit China in Forschung, Wissenschaft und Bildung (2015), 32-33. Hochschulrektorenkonferenz, HRK: Leitfragen zur Hochschulzusammenarbeit mit der Volksrepublik China. Beschluss des HRK-Präsidiums vom 09.09.2020, www.hrk.de/positionen/beschluss/detail/leitfragen-zur-hochschulkooperation-mit-der-volksrepublik-china/.

[3] Zwei übergreifende Leitgedanken haben die Internationalisierungsstrategie geprägt:

1. Auf erfolgreichen internationalen Forschungs- und Lehrkooperationen aufbauen und die guten Beziehungen mit unseren internationalen Partnern strategisch weiterentwickeln.
2. Die Universität so aufstellen, dass internationale wie deutsche Mitglieder hier bestmögliche Bedingungen zum gemeinsamen Lernen, Lehren, Forschen und Arbeiten vorfinden (Internationalisierung@Home). Siehe TUB-Webseite, Direktzugang: 180469.

Zu unseren Prinzipien zählen:

2.2.1 Freiheit von Forschung und Lehre

Die Geschichte lehrt, dass die Freiheit der Forschung und Lehre nie uneingeschränkt gegeben war, dass sie vielmehr immer wieder gegenüber mächtigen ökonomischen oder politischen Interessen zu verteidigen war und ist. Das gilt auch für die deutsch-chinesische Hochschulkooperation. Auch hier ist für die deutsche Seite Artikel 5 des Grundgesetzes (Freiheit von Forschung und Lehre) verbindlich. Daneben sollten beide Seiten die Regeln des internationalen Wissenschaftsbetriebes beachten: Wahrhaftigkeit, Offenheit, Selbstkritik, Verlässlichkeit und Fairness als Grundlage für die Glaubwürdigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz der Wissenschaft.

2.2.2 Transparenz und ungehinderter Zugang zu Forschungsergebnissen

Forschungsergebnisse sollten allen Beteiligten ungehindert zugänglich sein. Die Interessen-Konstellationen hinter einzelnen Projekten sollten stets transparent und offen sein, auch für kontroverse Diskussionen und Schlussfolgerungen, die im schlimmsten Fall den vorzeitigen Abbruch eines Projekts nicht ausschließen.

2.2.3 Unabhängigkeit von Einflussnahme durch Politik/Wirtschaft

Bei anwendungs-orientierten Projekten ist die Nähe zu bzw. Zusammenarbeit mit Firmen oder wirtschaftlich orientierten Interessen normal. Sie ist – so lange sie nicht militärischen Interessen dient - nicht verwerflich, sollte aber transparent und dokumentiert sein, darf auch die Publikation unerwarteter bzw. unerwünschter Ergebnisse nicht behindern. Die Unabhängigkeit von chinesischen Drittmitteln ist geboten. Wir verpflichten uns zur Transparenz bei der Annahme materieller Vorteile. Aus dienstrechtlichen und ethischen Gesichtspunkten ist es geboten, der TUB bzw. der betroffenen Fakultät mitzuteilen, wenn Angehörige der Universität materielle insbes. monetäre Zuwendungen im Rahmen eines gemeinsamen Projekts erhalten, aber auch durch Wahrnehmung einer Gastprofessur oder ähnlicher Aktivitäten.

2.2.4 Gleichheitsprinzip bei der Projektfinanzierung

Grundsätzlich muss gelten: Jeder Projektpartner besorgt sich die erforderlichen Mittel für das Kooperationsprojekt bei den Förderinstitutionen seines Landes. Denn die überwiegende Finanzierung nur von einer Seite - sei es der deutschen oder der chinesischen - bietet Anlass zu Misstrauen und Begehrlichkeiten und erschwert die Projektdurchführung. Diese Grundhaltung soll nicht ausschließen, dass in Einzelfällen die Anlaufphase für ein innovatives Projekt überwiegend oder sogar ausschließlich von einer der beiden Seiten finanziert wird. Es sollte stets gegenseitige Offenheit hinsichtlich Förderkriterien, Förderauswahl, Förderentscheiden bestehen.

2.2.5 Vermeidung der Kommerzialisierung von Wissenschaft

In der VRCh ist es nicht ungewöhnlich, dass der/die Autorin von der eigenen Hochschule für die Publikation wissenschaftlicher Ergebnisse ein Honorar erhält. Auch sind Zeitschriften u.U. eher geneigt, einen Beitrag zu publizieren, wenn der/die AutorIn sich mit einem Geldbetrag beteiligt. Solche Gepflogenheiten können dazu beitragen, dass Arbeitsergebnisse nicht entsprechend ihres Beitrags zur Forschung gewertet werden. Die gemeinsame Publikation chinesischer und ausländischer Partner in einer internationalen Zeitschrift ist deshalb ein wichtiges Motiv für die Zusammenarbeit, da in diesem Fall eine Bewertung ausschließlich nach fachinternen Qualitätskriterien erwartet werden kann.

2.2.6 Flexibilität wahren, ohne Grundsätze aufzuweichen

Wir wollen flexibel und gleichberechtigt agieren und gleichzeitig die eigenen Grundsätze wahren. Wo werden Grenzen der Zusammenarbeit erreicht? (z.B. Ausschlüsse von Partnerinstitutionen oder Diskriminierung von TeilnehmerInnen; Verwaltungshürden bei Visa-Angelegenheiten; externe Vorgaben für Lehrmaterialien- und Kursinhalte) Hier sollten rote Linien definiert werden.

2.2.7 Entschleunigung des Austausches: Kontinuität, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit

Der fruchtbare Austausch mit China in Forschung und Lehre erfordert mehr Engagement als bei inner-europäischen oder trans-atlantischen Partnerschaften - bedeutet daher, sich einzulassen auf längere Bindungen. Die Kommunikationsformen des digitalen Zeitalters haben zwar den Austausch sehr erleichtert, ebenso wie der Flugverkehr. Doch ersparen sie uns nicht die vertiefte Auseinandersetzung mit der Sprache und Kultur des Partners. Es ist deshalb im Sinne der erwünschten Langfristigkeit des Austauschs geboten, bei den Studierenden vom Beginn des Studiums an das Interesse am Partnerland und seiner Kultur zu fördern. Damit rekrutiert sich die Universität den Nachwuchs, der hochmotiviert und gut vorbereitet die bestehende Partnerschaft weiterführt.

Viele Determinanten (begrenzte Dienstzeiten, Wahlperioden, befristete Projektmittel, sinkende Reisekosten u.a.) haben in den zurückliegenden Jahrzehnten eine Beschleunigung des Austauschs befördert, verbunden mit immer kürzeren Dienstreisen und einer zunehmenden Hektik des Wissenschaftstourismus. Diese Tendenz suggeriert oberflächlich eine Intensivierung des Austauschs, hinter der sich allzu oft Karriere-orientiertes Spezialistentum und Partikular-Interessen verbergen wie auch die fehlende Bereitschaft, sich eingehender auf die Komplexität der Gesellschaft und Kultur des Partnerlandes einzulassen.

Wir plädieren für längere Aufenthalte beim Partner. Diese fördern den Dialog, ein vertieftes Verständnis für die technik- und wissenschaftshistorische Dimension des eigenen Projekts und die erforderliche Vertrauensbasis für längerfristiges Zusammenarbeiten. Unsere Incomings sollten durch eine exzellente Willkommenskultur gefördert und unsere Alumni-Arbeit unterstützt werden.

2.2.8 Einbeziehung relevanter Akteure auf beiden Seiten

Zu den großen Unterschieden zwischen der europäischen und der ostasiatischen Tradition gehört die jeweils verschiedene Betonung des Gleichheits- und des Hierarchie-Prinzips. Einerseits lehrt die Wissenschaftsgeschichte, dass bahnbrechende Ergebnisse nicht nur an prominenten Hochschulen erarbeitet wurden, andererseits unterstützt eine zentralistische Wissenschaftspolitik hier wie dort einen verengten Blick auf Ranking-Listen und begünstigt bei Schwerpunktbildungen Partnerschaften mit weltweit renommierten Hochschulen. Doch hat es sich langfristig als sinnvoll erwiesen, gleichfalls Kooperationen mit bestimmten Fachgebieten/ KollegInnen in weniger prominenten Hochschulen zu fördern. Für den Berliner Kontext beinhaltet das z. B. die Offenheit für die Zusammenarbeit mit KollegInnen der Berlin-Brandenburgischen Fachhochschulen in China-bezogenen Projekten.

In China sollte das extrem hierarchisierte Hochschulsystem uns nicht davon abhalten, auch den Kontakt zu kleineren und vermeintlich unbedeutenderen Hochschulen zu pflegen. Dabei sollten wir stets die Diversität Chinas beachten, Mobilitäts-Einschränkungen chinesischer Stakeholder durch politische Neuregelungen als solche wahrnehmen und relevante Akteure auf Provinz- und lokaler Ebene einbeziehen.

2.2.9 Priorität der Einheit von Forschung und Lehre

In Europa wie in China besteht das Nebeneinander von reinen Forschungsinstitutionen und Universitäten, in denen Forschung und Lehre in engem Verbund betrieben werden. In China wird die Forschung schwerpunktmäßig den Akademien zugewiesen. Die Kooperation zwischen der TUB und chinesischen Akademien wird deshalb in vielen Fällen unverzichtbar oder sogar erwünscht sein. Dennoch sollte die Kooperation mit Universitäten Priorität haben, die sich um die Verwirklichung dieses Ideals bemühen.

2.2.10 Kleine Königreiche? Vorbehalte gegenüber dem Departementalismus (本位主义benweizhuyi)

Der zuweilen brutale Konkurrenzkampf zwischen Fachgebieten, Instituten, Fakultäten und Hochschulen ist zwar in Europa nicht unbekannt, hat aber in China – kulturell konditioniert – eine ungleich schärfere Ausprägung. Als außenstehende Partner sollten wir darauf achten, nicht in derartigen Auseinandersetzungen instrumentalisiert zu werden. Beispielsweise sollten wir uns bei der Veranstaltung von Tagungen dafür aussprechen, dass auch jene KollegInnen präsent sind, die außerhalb unserer Partner-Institution sich mit den gleichen Forschungsfragen befassen.

2.2.11 Wahrnehmung des historischen Kontexts der eigenen Arbeit

TUB-Angehörige sollten sich vor Beginn der Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern über die fachliche Vorbereitung hinaus vertraut machen mit dem historischen Hintergrund der deutsch-chinesischen Beziehungen und dem institutionellen Rahmen der Wissenschaft in China. Die TUB unterstützt diese Vorbereitung durch das China Center an der Fakultät 1.[1]

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[1] Unsere chinesischen Partner verfügen über eine ausgezeichnete Schulbildung, die die gesamte Bandbreite natur-, kultur- und sozialwissenschaftlicher Bildung abdeckt. I.d.R. sind sie mit dem „Westen“ intimer vertraut als Europäer mit China.  Namen wie Li Hongzhang, Deng Xiaoping, Zhou Enlai, Zhu De, Zhao Ziyang sind in China jedem Hochschulangehörigen bekannt. Aber wem von uns ist ihr Berlin-Bezug gegenwärtig? Wer von uns kennt prominente Beispiele deutschen Ingenieurbaus in China? Wie erfolgt die Wissenschaftsförderung in der VRCh im Rahmen der 5-Jahres-Pläne? U.Ä.

2.2.12 Regelmäßige Evaluierung von Austausch und Kooperation

Die TUB-Kooperationen mit chinesischen Partnern sollten von einer kontinuierlichen Supervision begleitet und einer regelmäßigen Evaluierung durch Externe unterzogen werden, durchaus auch im Vergleich mit den anderen Technischen Universitäten im deutsch-sprachigen Mitteleuropa. 

Die vorliegenden Leitgedanken verstehen wir als Leitplanken unserer Zusammenarbeit mit Partnern in der VR China, aber auch als Anregung, die bestehenden Kooperationen immer wieder zu überprüfen. Unsere Prinzipien – wie die Freiheit von Forschung und Lehre – sind dabei unabdingbare und unverrückbare Grundvoraussetzungen unserer Arbeit.

Unsere Überlegungen zur Zusammenarbeit mit China bleiben einem dynamischem Reflexionsprozess unterworfen, welcher durch aktuelle Ereignisse bei Bedarf rekalibriert werden muss.

Stand: gez. CCST, Oktober 2018, aktualisiert im Mai 2022

Geschichte

Das Konzept und die Aufgabenstellung für eine China-Arbeitsstelle im Bereich Wissenschafts-und Technikgeschichte wurde von dem Sinologen Dr. Welf Schnell, ehemals Amt für Außenbeziehungen der TU Berlin, erarbeitet. Er stellte gemeinsam mit dem damaligen TU-Präsidenten Prof. Dr. Fricke einen entsprechenden Förderantrag bei der Volkswagenstiftung. In dem Förderantrag heißt es zur Zielsetzung der Arbeitsstelle:

„Die zunehmende Internationalisierung des Lebens durch Wirtschaft, Wissenschaft und vor allem Technik führt zu immer neuen Konfrontationen mit fremden Kulturen, andersartigem Denken und fremden Traditionen. Während die Technik ständig Kulturgrenzen überschreitet, scheinen im Kulturverständnis neue Grenzen zu entstehen. Um der Gefahr der kulturellen Abschottung entgegenzuwirken und das Verständnis für Andersartiges zu fördern, behandeln Wissenschaftler, Stipendiaten und Studenten aus Europa und Asien gemeinsam und in direktem Vergleich Entwicklungen und Probleme ihrer Geschichte und Philosophie der Wissenschaft und Technik. Damit wird der Versuch unternommen, zum Verständnis für das Fremde, für 'andere' Werte und Traditionen beizutragen. Andererseits sollen durch die Auseinandersetzung mit dem Fremden Einsichten in Zusammenhänge, Beschränkungen und Geprägtheiten des Eigenen gewonnen werden.“

Mit Unterstützung der Professoren des Instituts für Philosophie, Wissenschaftstheorie, Wissenschafts- und Technikgeschichte, namentlich Prof. Dr. Wolfgang König und Prof. Dr. Hans Poser, sowie Prof. Dr. Michael Lackner (damals VW-Stiftung) konnte die "Arbeitsstelle für Geschichte und Philosophie der chinesischen Wissenschaft und Technik" 1993 gegründet und aufgebaut werden. Während der ersten fünf Jahre erhielt das Center von der Volkswagenstiftung eine Förderung von insgesamt 1 Mio. DM. Aus diesen Mitteln konnte u.a. der Grundstock der Bibliothek, erworben werden. Der Bestand der Bibliothek umfasst seitdem in Deutschland seltene Werke wie zum Beispiel die vollständige Ausgabe des Siku Quanshu 四库全书 (Stiftung der Shanghai Jiaotong Universität).

Die China-Arbeitsstelle wurde seit 1993 von Dr. Welf Schnell geleitet. Ab 2005 war Dr. Schnell wegen einer beruflichen Tätigkeit im Ausland beurlaubt. Daraufhin wurde das Center von der Sino-Ethnologin PD Dr. Mareile Flitsch kommissarisch vertreten. Ihr folgte im August 2008 die auf Umweltgeschichte und Ressourcenökonomie spezialisierte Sinologin Dr. Eva Sternfeld, die seit dem Ausscheiden von Dr. Schnell (2010) die offizielle Leitung übernahm. Das China Center der TU Berlin hat im Laufe seines Bestehens zahlreiche Forschungsprojekte und Forschungskooperationen mit China betreut sowie wissenschaftliche Symposien veranstaltet. Dazu zählen u.a. das von der Volkswagenstiftung geförderte Forschungsprojekt „Alltagstechniken Chinas“ (2002 – 2005), und die Symposien (Return of Philology 2007, The Hand in Everyday Technologies 2003, 8th International Conference on History of Science in China 1998) sowie die Ausrichtung der 22. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Chinastudien (DVCS) im November 2011. Das China Center steht im regelmäßigen Austausch mit dem Institut für die Geschichte der Naturwissenschaften der Akademie der Wissenschaften in Beijing, mit dem eine langjährige Kooperation besteht, sowie dem Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (Nachwuchsgruppe Schäfer).

Ende 2009 erhielt die Arbeitsstelle für Geschichte und Philosophie der chinesischen Wissenschaft und Technik einen neuen Namen: Von nun an firmierte sie unter der Bezeichnung „Arbeitsstelle Wissenschafts- und Technikkultur Chinas“ und seit Oktober 2011 unter der internationalisierten Bezeichnung "Center for Cultural Studies on Science and Technology in China".

Kooperationen

Das China Center ist weltweit hervorragend vernetzt mit wissenschaftlichen Einrichtungen, die zum Thema Wissenschafts- und Technikgeschichte Chinas sowie zur deutsch-chinesischen Wissenschaftskooperation arbeiten. Dies beruht zum einen auf offiziellen Kooperationsabkommen sowie auf persönlichen Netzwerken (z.B. über die Kontakte zu ehemaligen Gastwissenschaftlern und Mitarbeitern).

Kooperationspartner des China Centers sind u.a.:

  • Chinesisch-Deutsches Hochschulkolleg (CDHK, 中德学院), Tongji University, Shanghai
  • Institute for the History of Natural Science (IHNS, 自然科学史研究所) der Chinese Academy of Sciences (CAS, 中国科学院) in Beijing (offizielles Kooperationsabkommen seit 1994)
  • Institute for the History of Science and Philosophy (科学史与科学哲学系) an der Shanghai Jiaotong Universität (SJTU, 上海交通大学)
  • Fachbereich Geisteswissenschaften (人文学院) der Zhejiang Universität (浙江大学) in Hangzhou
  • Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
  • Hans-Görtz-Institut für Theorie, Geschichte und Ethik der Chinesischen Lebenswissenschaften an der Charité Berlin
  • Needham Research Institute in Cambridge

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Tel.:+49-(0)30-314-24211
Fax.:+49-(0)30-314-28048

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+49-(0)30-314-25995

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