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TU Berlin

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Maria Khayutina

Mobilität während der chinesischen Bronzezeit: Heiratsallianzen und ihre wirtschaftlichen Hintergründe

Die „Bronzezeit“, d. h. eine durch die zentrale Rolle der Bronzeherstellung geprägte technologischkulturelle Epoche, dauerte in China vom frühen 2. bis ca. Mitte des 1. Jahrtausenden v. u. Z. Metallographische Analysen ausge­grabener Bronzeobjekten verraten, dass die für ihre Anfertigung genutzte Rohstoffe die Produktionsorte aus den Entfernungen von bis zu 1500 Kilo­meter erreichten. Die Verbreitung von Prestigegütern aus Bronze, Jade, Keramik usw. über große Distanzen belegt ebenfalls intensive überregionale Kontakte. Das traditionelle Modell der Tributdarbringung kann die Be­lieferung von Shang‐ und Zhou‐Metropolen mit Kupfer, Zinn und Blei aus Nordost,‐ Zentral‐ und Südwest‐China nicht erklären, denn soweit reichte die Militärmacht der bronzezeitlichen Herrscher noch nicht. Der Austausch von Prestigegütern und Rohstoffen sowie die Produktion von Bronze fanden außerdem nicht nur in den Shang‐ und Zhou‐Zentren, sondern auch an zahlreichen weiteren Orten statt. Es ist zu bezweifeln, dass sich regionale Eliten gewünschte Materialien und Produkte nur über die von Historikern vermuteten, zentralisierten „redistributiven“ Systeme der Shang‐ und Zhou‐Könige verschaffen konnten. Auch wenn Tribut und Redistribution in der politischen Ökonomie der Bronzezeit eine Rolle spielten, fand ein wesent­licher Teil des Austausches sehr wahrscheinlich im Rahmen von nicht‐hierar­chischen, dezentralisierten „peer‐polity interactions“ statt. Funde von be­schrifteten Bronzen und anderen Objekten in Friedhöfen von Fürstentümern an der Shang‐ und Zhou‐Peripherie deuten in der Tat auf die Existenz von dezentralisierten regionalen und überregionalen Netzwerken hin. Gleichzeitig belegen sie die hohe Mobilität von Elitefrauen, die manchmal mehrere hundert Kilometer von ihrer Heimat entfernt verheiratet wurden. Die vor­liegende Studie möchte anhand von drei Fallbeispielen aus der späten Shang‐ und der frühen Zhou‐Zeit die Mobilität von Frauen vor dem wirtschaftlichen Hintergrund erklären und Heiratsallianzen zwischen aristokratischen Lineages als einen wesentlichen Faktor des überregionalen Austausches im bronzezeitlichen China erörtern.

CV

Maria Khayutina studierte Geschichte mit Schwerpunkten Geschichte des Altertums und Geschichte Chinas an der Moskauer Staatsuniversität (1996) und promovierte am Institut für Orientalistik der Russischen Akademie der Wissenschaften (1999). Nach ihrer Ankunft als Stipendiatin der Alexander‐von‐Humboldt‐Stiftung nach Deutschland (2001) folgten zahlreiche Forschungsprojekte an der Ruhr‐Universität‐Bochum und der Ludwig‐Maximilians‐Universität München (LMU). Am Bernischen Historischen Museum kuratierte sie die Ausstellung Qin – der unsterbliche Kaiser und seine Terrakottakrieger und gab die gleichnamige Begleitpublikation heraus (Zürich: NZZ Libro, 2013). 2018 habilitierte sie sich an der LMU mit dem Thema Kinship, Marriage and Politics in Early China (138th c. BCE) in the Light of Ritual Bronze Inscriptions. Zurzeit forscht sie als Fellow des Internationalen Konsortiums für geisteswissenschaftliche Forschung „Schicksal, Freiheit und Prognose“ an der Universität Erlangen‐Nürnberg über soziale Aspekte der Divination im frühen China. Sie ist Autorin von zahlreichen Buchbeiträgen und Aufsätzen über Gesellschaft, Ideologie und historische Geographie des vorkaiserlichen China.

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