direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

VERSCHOBEN: Zauber der Materie: Alchemie in China und im Westen

VERSCHOBEN auf das WiSe 2020/21

Exposé: Alchemie, die Lehre vom Aufbau der Materie, ihrer Eigenschaften und Umwandelbarkeit ist im Abendland wie auch in China eng mit dem Wunsch nach Überwindung der eigenen Vergänglichkeit verbunden. In China experimentierten Alchemisten schon ausweislich der frühesten dokumentierten Schriften aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. mit der Verwandlung von Materie, eigenem Körper und Geist hin zur Unsterblichkeit. Diese soteriologische Funktion ist typisch für beide Hauptformen der Alchemie in China: der „äußeren Alchemie“ (waidan), die sich auf die Herstellung und Einnahme von Elixieren konzentrierte, und der „inneren Alchemie“ (neidan), die auf die innere Transformation durch Meditation abzielte. Das Spektrum der Alchemisten in China wie im Westen reichte von frühen chemischen und pharmazeutischen Experimenten bis zu vormodernen Vorstellungen über den Aufbau der Materie, wozu auch die Idee der Transmutation von Metallen und anderen Elementen gehörte. Am Ende stehen stark mystisch gefärbte Spekulationen über die kontrollierte Wandelbarkeit der Welt und des Adepten.

Das Seminar „Zauber der Materie: Alchemie in China und im Westen“ vergleicht die chinesischen alchemistischen Traditionen mit den Bestrebungen, die seit dem Mittelalter in westlichen Ländern vorherrschten und als Vorläufer heutiger Wissenschaften wie Pharmazie, Chemie oder Medizin gelten. Um die Zusammenhänge zwischen den beiden „Alchemien“ besser verstehen zu können, wird sich das Seminar mit dem wissenschaftshistorischen Horizont der damaligen Zeit auseinandersetzen: den kosmologischen Prinzipien und Vorstellungen sowie den philosophischen Schulen (z. B. dem religiösen Daoismus in China, oder der Scholastik und der Wiederentdeckung der klassischen griechischen Philosophie im Westen).

Das Seminar wird grundlegende Konzepte, Prinzipien und Praktiken dieser zwei parallel zueinander entstandenen „Alchemien“ untersuchen. Dabei werden u. a. folgende Themen besprochen: Zu welchem ​​Zweck beherrschten die Alchemisten chemische Manipulationen? Nach welchen Prinzipien haben sie ihre Prozesse gestaltet? Wie konstruierten sie entweder in ihren Labors oder in ihren Körpern Modelle kosmischer Ordnung und Prozesse? Mit welchen Absichten und welchen Interessen verfolgte die Alchemie die Transmutation der Stoffe (Goldmacherei)? Wie und wann verlor die Alchemie ihre Bedeutung und in welchen Bereichen existieren alchemistische Vorstellungen noch heute (Tiefenpsychologie bei C. G. Jung, Esoterik)? Gibt es eine Wiederkehr alchemistischen Denkens?

 

Ausgewählte Literatur

Alchemie allgemein:
Eliade, Mircea: Schmiede und Alchemisten. Mythos und Magie der Machbarkeit. Herder Verlag, 1998. 

Holmyard, E.J. Alchemy. Harmondsworth: Penguin Books, 1957.

Sheppard, H. J.: "Chinese and Western Alchemy: The Link through Definition." In Proceedings of the 16th International Congress of the History of Science, [vol. Ill:], Bucharest: Publishing House of the Academy of the Socialist Republic of Romania, S. 181-188.

Alchemie (China):
Needham, Joseph (Hrs.): Science and Civilisation in China. Vol. V Parts 2, 3 and 4, ”Chemistry and Chemical Technology: Spagyrical Discovery and Invention.”  Vol. V Part 5, “Physiological Alchemy,” Cambridge: Cambridge University Press, S. 1974–1983.

Sivin, Nathan: “Chinese Alchemy and the Manipulation of Time.” Isis 67 (1976), S. 513–26.

Sivin, Nathan: “The Theoretical Background of Elixir Alchemy.” In Needham, Science and Civilisation in China, Vol. V.4., S. 210–323.

Ware, James R.: Trans. Alchemy, Medicine and Religion in the China of AD 320: The Nei P’ien of Ko Hung. Cambridge, Mass.: MIT Press, 1966.

Alchemie Westen:
Gebelein, Helmut: Alchemie. München: Eugen Diederichs, 1991.

Meinel, Christoph: Die Alchemie in der europäischen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 1986.

Priesner, Claus: Geschichte der Alchemie. München: Beck Verlag, 2011.

Principe, Lawrence M.: The Secrets of Alchemy. Chicago: University of Chicago Press, 2013.

Roob, Alexander: Das hermetische Museum. Alchemie & Mystik. Köln: Taschen Verlag, 1996.

Völlnagel, Jörg: Alchemie. Die Königliche Kunst. München: Hirmer Verlag, 2012.

Daoismus:
Robinet, Isabelle: Taoism: Growth of a Religion. Stanford: Stanford University Press, 1997.

Schipper, Kristofer: The Taoist Body. Translated by Karen C. Duval. Berkeley: University of California Press, 1993.

Unsterblichkeit im Daoismus:
Campany, Robert F.:  To Live as Long as Heaven and Earth: a Translation and Study of Ge Hong’s Traditions of Divine Transcendents. Berkeley: University of California Press, 2002. Part I :“The Nature of the Religion Reflected  in Ge Hong’s Works,” S. 18- 97.

Penny, Benjamin: “Immortality and Transcendence.” In Livia Kohn, Daoism Handbook. Leiden: Brill, 2000, S. 109–133.

Neidan:
Pregadio, Fabrizio: The Way of the Golden Elixir: an Introduction to Taoist Alchemy. Golden Elixir Press, 2014.

Robinet, Isabelle: The world upside down: essays on Taoist Internal Alchemy. Golden Elixir Press, 2011.

Yokote Yutaka: „Daoist Internal Alchemy,“ in Modern Chinese Religion Part I (Song, Liao, Jin Yuan (960-1368), Hrs.: John Lagerway and Pierre Marsone. Handbuch der Orientalistik Band 29. Leiden: Brill, 2015, S. 1053-1110.

Kosmologie:
Needham, Joseph (Hrs.): Science and Civilisation in China. Vol. II “History of Scientific Thought, ” Section 13: “The Fundamental Ideas of Chinese Science,” S. 216-345.

Granet, Marcel: Das chinesische Denken: Inhalt, Form, Charakter. München: Piper, 1963.

HS/SE: "Zauber der Materie: Alchemie in China und im Westen"


Dozent:
Becker, Tania und Kirkova, Zornica 
Termin: 
VERSCHOBEN auf das WiSe 2020/21
Beginn:
Raum:
Module:





Links:

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.