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TU Berlin

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Armin Selbitschka

Wider den Bürohengst: Frühkaiserzeitliche Schreiber als (Dienst)Reisende

Leider wissen wir wenig über das Arbeits- und Privatleben von Schreibern (shi 史) der späten Vor- und frühen Kaiserzeit. Die überlieferten Quellen ernwecken den Eindruck von stationären „Historiographen“, deren alleinige Aufgabe das Aufzeichnen jeglicher Ereignisse an den Höfen von Fürsten und Kaisern war. Gemeinhin haben wir daher ein Bild von altchinesischen Schrei­bern vor Augen, das sie über Bambus- und Holztäfelchen gebückt – wo­möglich noch beim schummrigen Licht eines brennenden Fettlämpchens – zeigt, wie sie scheinbar endlos ihre Schreibpinsel schwingen. Abgesehen von der pinselführenden Hand bedurften (und bedürfen) derlei Schreibaufgaben indes wenig Mobilität. Wie so oft in den frühen Chinastudien ist dies aller­dings nur die sprichwörtliche Kehrseite der Medaille. Im Laufe der letzten vier Jahrzehnte lieferten archäologische Ausgrabungen aufregende und her­vorragende Gegengewichte zu den traditionellen Schriftquellen. Zahlreiche Handschriften verschiedenster Genres kamen mitunter in Gräbern und Sied­lungen ca. des späten 3. Jh. v. bis 1. Jh. n. Chr. zum Vorschein. Sie zwingen uns seither viele unserer überkommenen Annahmen, mitunter auch die be­züglich der frühen Schreiber, zu überdenken. Mein Vortrag wird sich auf di­verse Texte wie Reisenotizen, Bevölkerungsregister, Gesetze, Divinations­handbücher (rishu 日書) und Ankündigungen an die Unterwelt (gaodishu 告地書) stützen. Er wird verdeutlichen, dass geographische Beweglichkeit zu den Grundanforderungen für Beamte niederer Verwaltungsebenen gehörte. Die Rotation zwischen verschiedenen Ämtern noch während ihrer Ausbildung machte aus den Schreibern höchst vielseitige Arbeitnehmer. Die Notwendig­keit alle Ortswechsel minutiös zu dokumentieren war nicht nur Teil der täg­lichen Arbeit, sondern erstreckte sich bis ins Jenseits, wie an den gaodishu zu erkennen ist. Außer den Manuskripten deuten auch andere Grabbeigaben, wie beispielsweise hölzerne Wagenmodelle, an, dass die Alltagsroutinen der Schreiber nicht ausschließlich durch den bloßen Akt des Schreibens (schon gar nicht von Geschichte) bestimmt war. Vielmehr gehörten langwierige und anstrengende Dienstreisen für sie zum täglichen Brot.

CV

Armin Selbitschka (Jahrgang 1975) studierte Sinologie, Chin. Kunst und Archäologie, Japanologie und Vor- und Frühgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und an der Sichuan Daxue 四川大學 in Chengdu, VR China. Er lehrte als Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Sinologie der LMU München (Akademischer Rat auf Zeit), als Feodor-Lynen-Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an der Stanford University und als Assistant Professor of Ancient Chinese History an der New York University (NYU) Shanghai bevor er im Januar 2018 dem Ruf auf den Lehrstuhl für Alte Chinesische Geschichte und Archäologie an der LMU München folgte. Seine Monographie Prestigegüter entlang der Seidenstraße? wurde ebenso bei Harrassowitz veröffentlicht (2010) wie eine Festschrift für Thomas O. Höllmann, die er gemeinsam mit Shing Müller herausgab (Über den Alltag hinaus, 2018). Überdies erschienen (oder sind im Druck befindlich) mehrere seiner Aufsätze in peer-reviewed Zeitschriften wie dem Harvard Journal of Asiatic Studies, Asia Major, World Archaeology, Asian Perspectives, Bulletin of the Museum of Far Eastern Antiquities und Oriens Extremus. Derzeit arbeit er an einer Monographie zu Jenseitsvorstellungen in der späten Vor- und frühen chinesischen Kaiserzeit.

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