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TU Berlin

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Carsten Schäfer

Mobilität als zweischneidiges Schwert: China und die Auslandschinesen

 Mobilität erstreckt sich nicht nur auf Bewegungen innerhalb Chinas, sondern auch auf die chinesische „Tradition des Auswanderns“ (Wang Gungwu), die bis in die Song-Dynastie zurückreicht und die heute weltweit größte Diasporagruppe begründete. Während Zentralregierungen immer wieder mit teils massiven Repressalien auf die Emigration reagierten und sie zu unterbinden versuchten – so während langer Phasen in der Ming- und Qing-Zeit sowie während der Mao-Ära –, nutzt das gegenwärtige Regime – und auch dies in der Tradition früherer Herrscher wie der späten Qing – das bemerkenswerte Mobilitätsverhalten „seiner“ Untertanen für eigene Interessen.

Eine gezielte Umgarnung und Privilegierung, aber auch eine wachsende Kontrolle und Einschüchterung der chinesischen Diaspora prägen das gegenwärtige Verhältnis des offiziellen China zu den weltweit 50 Millionen Auslandschinesen. Einerseits versprechen Auslandschinesen massive finanzielle, intellektuelle und politische Ressourcen für das chinesische Modernisierungsprojekt. In den 1980er und 1990er Jahren gingen nicht nur ca. 80% aller Auslandsinvestitionen auf Auslandschinesen zurück; auch ein breiter Wissens- und Erfahrungstransfer in Bezug auf internationale Wirtschafts- und Managementstandards sowie Technologie- und Wissen­schaftstransfers oder Mittlerfunktionen zwischen China und dem Westen geben und gaben maßgebliche Impulse für Chinas Reformpolitik. Längst geht der Transfer auch in die umgekehrte Richtung: Als mobile „inoffizielle Bot­schafter“ versucht Peking, Auslandschinesen gezielt in Image- und Soft-Power-Kampagnen des chinesischen Staates v. a. gegenüber dem Westen einzuspannen. Andererseits sind Auslandschinesen stets auch eine potentielle Bedrohung für die Kerninteressen und letztlich die Legitimation der KPCh, können sie doch in „freien“ Räumen jenseits der Jurisdiktion der KPCh Diskurse und Aktivitäten entfalten, die innerhalb Chinas nur schwer realisierbar sind. Es ist auch die Angst vor der Mobilität solcher Ideen und Aktionen, die die chinesische Diasporapolitik prägt.

Der Vortrag rückt nicht nur anhand von Beispielfällen diese ambivalente Rolle der Auslandschinesen ins Zentrum, sondern auch Pekings Diasporapolitik und die ihr zugrunde liegenden Diskurse, Mechanismen, Motive und Behörden: Wie versucht Peking die auslandschinesische Mobilität zu steuern – und wie reagieren ihrerseits Auslandschinesen darauf? Dabei zeigt sich, dass nicht nur chinesische Migranten „mobile Objekte“ sind – sondern auch der chinesische Parteistaat, dessen Institutionen und Ideologien eine zu­nehmende „Deterritorialisierung“ erfahren.

CV

Carsten Schäfer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich Moderne China-Studien am Ostasiatischen Seminar der Universität zu Köln. Zwischen 2011 und 2015 arbeitete er als Universitätsassistent (praedoc) am Institut für Ostasienwissenschaften / Sinologie der Universität Wien. Daneben übersetzt er seit 2014 zeitgenössische chinesische Literatur, u. a. für die deutschsprachige Ausgabe der Renmin Wenxue. 2018 promovierte er an der Universität Wien zum Thema auslandschinesische Identitäten und Inte­grationsprozesse in Europa. 2010 schloss er – nach Studienaufenthalten in Freiburg/Br., Shanghai, Peking und Wien – das Masterstudium ab. Die Forschungsinteressen von Carsten Schäfer liegen im Bereich der Overseas Chinese Studies und Migrationswissenschaften einerseits sowie der moder­nen chinesischen Geschichte, der chinesischen Historiographie und des chinesischen Films / Fernsehens andererseits. Zurzeit arbeitet er an Pro­jekten über die Diasporapolitik des chinesischen Staates sowie über die Rolle populärer TV-Serien für das kollektive Gedächtnis in China.

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