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TU Berlin

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Jörg Henning Hüsemann

Vom Nachttopf aufs Feld – Sammeln, Transportieren und Ausbringen von Düngemitteln im kaiserlichen China

Der Bau eines modernen Abwassersystems in den chinesischen Städten des 19. und 20. Jahrhunderts führte dazu, dass menschliche Ausscheidungen nunmehr in unterirdischen Kanälen transportiert wurden. Zwar trug man so zur Verbesserung hygienischer Verhältnisse bei und bewahrte Augen und Nasen der Öffentlichkeit vor dem Anblick und dem Geruch menschlicher Ausscheidungen, doch führte diese Modernisierung gleichzeitig, wie auch in anderen Teilen der Welt, zu spürbaren Veränderungen sowohl im Bereich des städtischen Alltagslebens als auch im Bereich der Landwirtschaft. Nicht nur, dass Sammelplätze und die Fäkalien­sammler mit der Zeit aus dem Stadtbild verschwanden, auch hatte die moderne Entsorgung von Kot und Urin zur Folge, dass der chinesischen Landwirtschaft, für welche Tierhaltung eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielte, wichtige Düngemittel vorenthalten wurden. Ferner fielen durch das Ausbleiben des Fäkalien­sammelns und des Transports dieser Düngemittel von der Stadt aufs Land eine der Gelegenheiten für einen direkten Austausch zwischen Land- und Stadtbevölkerung weg. Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, Düngung allein auf das Ausbringen von menschlichen und tierischen Ausscheidungen zu re­duzieren, denn historische Aufzeichnungen berichten von einem Potpourri verschiedener Düngemittel und Düngemethoden, die von chinesischen Bauern eingesetzt wurden, entsprechend der regionalen, klimatischen Varie­täten und der angebauten Feldfrüchte. Dem Studium der chinesischen Düngemethoden wurde bislang in sinologischer Forschung vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt, und erst 2018 wurde die erste chinesisch­sprachige Monographie mit technik- und wissenschaftsgeschichtlichem Fokus zu diesem Thema veröffentlicht. In meiner Präsentation werde ich auf Grundlage originalsprachlicher Materialien, in erster Linie Agrarschriften nongshu 農書, und westlicher Quellen wie Berichte von Reisenden, Missionaren und Gesandten auf das Sammeln, den Transport und das Ausbringen sowie die Eigenarten von verschiedenen Düngemitteln vor der Zeit des Baus erster Abwasserkanäle in China eingehen, wobei die Frage nach den Grundlagen und der Entwicklung verschiedener Techniken im Mittelpunkt stehen wird.

CV

Jörg Henning Hüsemann arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ostasiatischen Institut der Universität Leipzig. Zu seinen Forschungs­schwerpunkten zählen historische Geographie, Geschichte und Land­wirtschaft Chinas. In seinem neuen Forschungsprojekt setzt er sich mit ver­schiedenen Techniken zur Düngung und Bodenverbesserung im historischen China auseinander sowie deren ideengeschichtliche Grundlagen.

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