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TU Berlin

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LIU Wenqing

Vermischte Gedichte von Li Qiao: Eine Studie zu Li Qiaos enzyklopädischem Gedichtzyklus „Hundertzwanzig Yongwu-Gedichte“

Unter Berücksichtigung der bis heute erhaltenen Werke zählt Li Qiao 李嶠 (ca. 645–714) zu den produktivsten Dichtern der Früh-Tang-Zeit und seine über­lieferten Gedichte vermitteln einen Eindruck von dem literarischen Wandel jener Epoche. Er ist „ein Vertreter des Palaststils und Meister des yung-wu shih“ 詠物詩 (Debon 1989). Mit dem „yung-wu shih“ ist vor allem der Gedicht­zyklus „Vermischte Gedichte über Gegenstände” 雜詠詩 (zayongshi), gemeint. Die „Hundertzwanzig Gesänge”, die allesamt im Versmaß von „fünfsilbigen Achtzeilern“ (wulü五律) verfasst und nach Vorbild der chinesischen Enzy­klopädien zusammengefügt worden sind, steht im Mittelpunkt der Doktor­arbeit.

Doch Li Qiao wirkte über China hinaus auch auf Japan, wo die Bewegung, nach chinesischem Muster Gedichte zu schreiben, stark von ihm beeinflusst wurde. Tatsächlich zählt Li Qiaos Yongwu-Gedichtzyklus neben den Xin yuefu 新樂府 des Bai Juyi 白居易 (772–846) und dem Mengqiu 蒙求 des Li Han 李翰 (7. Jh.) zu den drei großen chinesischen Sammlungen, die in der Heian-Ära 平安朝 (794–1192) nach Japan gebracht wurden und dort unter anderem in Schulen Verwendung fanden. 1998 erschien in Shanghai als Faksimile-Druck die früheste vollständige Handschriftausgabe Alte Handschrift von Li Qiaos Yongwu-Gedichten mit Anmerkungen aus der japanischen Bibliothek 日藏古抄李嶠詠物詩注, die auch die Grundlage der Doktorarbeit bildet.  Jedes der 120 „Yongwu-Gedichte“ widmet sich einem einzelnen Gegenstand oder einem abstrakten Phänomen, alle zehn Gedichte bilden eine Abteilung, wie z.B. Himmelsbilder, Erdgestaltungen, Blumen und Gräser sowie glück­bringende Tiere und militärische Waffen. Auf Grundlage von einer Analyse der ausgewählte 12 übersetzten Gedichte und unter Heranziehung anderer Beispiele aus dem Œuvre Li Qiaos soll in dieser Doktorarbeit der Versuch unternommen werden, ein Gesamtbild der Vermischten Gedichte zu erstellen und den Gedichtzyklus als ein dichterisches, erzieherisches und enzyklo­pädisches Werk zu würdigen.

CV

LIU Wenqing hat 2015 am Institut für Sinologie und Ostasienkunde der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster das Masterstudium erfolgreich absolviert. Und ebendort promoviert sie.

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