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Roland Altenburger

Geschichten in Bewegung: Eine Untersuchung der geographischen Distribution der Erzählungen in Liaozhai zhiyi

Nicht nur Menschen reisen, sondern auch ihre Geschichten. In der frühen Neuzeit verbreiteten sich Geschichten außer in verschriftlichter, insbe­sondere gedruckter Form, auch auf dem Wege mündlicher Kommunikation, wobei freilich hinter einer mündlich erzählten Geschichte oft ebenfalls eine Reise stand, denn auswärts und unterwegs erlebte und erfuhr man be­kanntlich besonders viele erinnernswerte Geschichten. Woher – von welchen Orten – stammen die Geschichten, die ein Autor im Laufe seines Lebens zusammentrug?

Der vorliegende Beitrag entwickelt annähernde Antworten auf diese Frage anhand einer Analyse der Ortsangaben in den rund 500 Erzählungen der bedeutenden Sammlung Liaozhai zhiyi (Liaozhais Chronik des Außer­gewöhnlichen, Erstdruck 1766), die der Autor Pu Songling (1640–1715) über 30–40 Jahre akkumulierte. Die allermeisten dieser Geschichten enthalten Ortsangaben wie den Herkunftsort der Hauptfiguren sowie, bei reisenden Figuren, den davon abweichenden Ort der Handlung. Eine systematische Untersuchung der genannten Orte ermöglicht Einblicke in das geographische Einzugsgebiet des Autors und seiner Erzählungssammlung. Weder für Liaozhai zhiyi im Einzelnen noch für die klassische chinesische Erzählliteratur im Allgemeinen wurde bisher ein solcher Untersuchungsansatz gewählt.

Pu Songling war biographisch stark an seinen Herkunftsort Zichuan in der Provinz Shandong gebunden. Dort befand sich sein gesamter Freundes- und Bekanntenkreis, aus welchem die meisten mündlichen wie schriftlichen Informanten stammten. Insofern würde man erwarten, dass ein relativ großer Anteil der Erzählungen sich auf dieses Referenzgebiet, insbesondere aber den Kreis Zichuan und die angrenzenden Nachbarskreise bezog. Grundsätzlich kann also von einem konzentrischen Modell ausgegangen werden, wonach die Häufigkeit der Nennung von Orten in Shandong mit zunehmender Entfernung von Zichuan abnähme. Die eher wenigen Reisen, die Pu zeitlebens unternahm, dürften aber ebenfalls Gelegenheit zur Sammlung von Geschichten geboten haben. Wahrscheinlicher ist deshalb, dass die im Rahmen eines dynamischen Modells abzubildenden Verkehrshauptachsen, die immer auch Kommunikationswege waren, für die erweiterte Lebens- und Erfahrungswelt Pu Songlings ebenfalls von Bedeutung waren.

CV

Roland Altenburger ist seit 2012 Professor für Kulturgeschichte Ostasiens an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Er promovierte 1997 im Fach Sinologie an der Universität Zürich und habilitierte sich dort 2002. Seine hauptsächlichen Arbeitsfelder sind die Literatur- und Kulturgeschichte der späten Kaiserzeit. Zu seinen wichtigsten Publikationen gehören die Monographie The Sword or the Needle: The Female Knight-errant (xia) in Traditional Chinese Narrative (2009) und der von ihm mitherausgegebene Band Yangzhou, A Place in Literature: The Local in Chinese Cultural History (2015).

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