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TU Berlin

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Thorben Pelzer

Der frühe Technokrat Wáng Jǐngchūn (1882–1956) und sein Lobbyismus für die Yuè–Hàn-Eisenbahn

Durch politische Bestrebungen, neue Eliten im Ausland auszubilden, konnte sich Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts eine neue soziale Gruppe chine­sischer Ingenieure formieren, die sich gehäuft auf einen gemeinsamen Bildungshintergrund in den Vereinigten Staaten berufen konnten. Eine Kombination aus nationalistisch-kosmopolitischer Rhetorik und techno­logischem Knowhow half ihnen, nach 1912 in infrastrukturbezogenen Institutionen Karriere zu machen. Durch seine außergewöhnliche Um­triebigkeit sticht Wáng Jǐngchūn (1882–1956) aus dieser Gruppe besonders hervor. Der studierte Bauingenieur und Eisenbahnadministrator promovierte 1911 an der Illinois-Universität, um in den Folgejahren diverse Ämter im Verkehrsministerium und der Eisenbahndirektion zu bekleiden. Jahrzehnte später sollte er, stationiert in London, ein warnendes Sprachrohr der GMD-Regierung gegen die Bedrohung und den späteren Angriff des japanischen Kaiserreichs werden.

Der Vortrag zeigt anhand des Fallbeispiels der Kommission für die Rückzahlung des britischen Boxer-Entschädigungsfonds (1926) auf, wie Wáng aufgrund seiner überlegenden technischen Expertise und seiner minutiösen Vorbereitung die Interessen des nationalen Eisenbahnbaus vor konkurrierenden Interessensgruppen durchsetzen konnte. Es wird gezeigt, wie es Wáng durch stichhaltige Berechnungen und landeskundliche Beob­achtungen gelang, den Fond in ein Investment umzuwidmen, welches von den übrigen Kommissionsmitgliedern als „gefährlich spekulativ“ bezeichnet wurde. Durch die von Wáng propagierte Finanzierung der Fertigstellung der Yuè–Hàn-Eisenbahn zwischen Guangzhou und Hankou sollten letztlich Reisen zwischen Beijing und Guangzhou, zu diesem Zeitpunkt noch die Machtzentren zweier konkurrierender Republiken, binnen drei Tagen möglich werden. Wángs Engagement ermöglichte ihm zudem, den Eisenbahnbau bis 1949 in der einflussreichen Rolle des Leiters der nationalen Anschaffungs-Kommission in London mitzugestalten.

Der Vortrag ist ein Begleitergebnis meiner Dissertation zu chinesischen Ingenieuren der Republikzeit, die momentan an der Universität Leipzig entsteht.

CV

Thorben Pelzer studierte Sinologie, Japanologie und Ostasienwissenschaften in Bochum, Osaka, Shanghai und Taipei. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ostasiatischen Institut der Universität Leipzig und promoviert zurzeit an der Leipziger Graduiertenschule für Global- und Regionalstudien (GSGAS) zu chinesischen Ingenieuren in der Republikzeit.

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